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Übergewicht oder Krankheit – was steckt hinter dem Lipödem?
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Übergewicht oder Krankheit – was steckt hinter dem Lipödem?
Wo zu viel Fett ist, wird fast immer Übergewicht vermutet. Bei einem Lipödem kann das vermehrte Körperfett aber unabhängig von Ernährung und sportlicher Betätigung entstehen. Viele der betroffenen Personen greifen weder täglich zur Chipstüte noch ernähren sie sich von Pizza und Cola. Eine chronische Fettverteilungsstörung hat andere Ursachen und die sind oft gar nicht bekannt.

Bild von Joachim Schnürle auf Pixabay
Das Lipödem als reine Frauenkrankheit
Von einem Lipödem sind primär Frauen betroffen. Bei der Erkrankung vermehrt sich das Fettgewebe symmetrisch an den Ober- und Unterschenkeln, Armen und Hüften, während die Hände und Füße, aber auch Brustbereich und Gesicht schlank bleiben. Es kann zu Schmerzen und Spannungsgefühlen kommen, bei starker Ausprägung auch zu Berührungsempfindlichkeit.
Aufmerksam werden Betroffene und ihre Behandler meist erst dann, wenn Sport und Diäten keinen positiven Effekt haben und die betroffenen Körperstellen nicht schlanker werden. Das ist eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zwischen reinem Übergewicht und einem Lipödem.
Manchmal erkennen sogar Ärzte nicht, dass die falsche Ernährung, die Wechseljahre oder mangelnde Bewegung nicht der Verursacher der Probleme sind. Hormonelle Umbruchphasen kommen allerdings als Trigger in Betracht. Mögliche Auslöser können Schwangerschaften oder Pubertät und Wechseljahre sein. Da die Betroffenen optisch einfach nach Übergewicht aussehen, werden sie oft nicht ernst genommen und leiden folglich auch psychisch darunter.
Diagnose Lipödem kann nur der Arzt stellen
Medizinisches Gaslighting ist ein Problem, mit dem viele Frauen kämpfen. Ärzte nehmen weibliche Patientinnen nicht ernst, schieben geschilderte Symptome auf Hormone oder vorhandenes Übergewicht und lassen sie alleine. Ohne klinische Untersuchung lässt sich Übergewicht nicht vom Lipödem unterscheiden. Ein geschulter Mediziner erkennt, dass der Oberkörper schlank und der Unterkörper typisch verändert ist. Für die betroffenen Frauen ist es eine große Erleichterung zu erfahren, dass ihre Probleme einen Namen haben.
Gute Behandler führen Gespräche mit ihren Patientinnen und fragen, ob eine Schwangerschaft vorlag oder es sonstige hormonelle Einflüsse gab. Wichtig ist auch herauszufinden, ob möglicherweise andere Frauen in der Familie betroffen sind. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann das Lipödem von einem Lymphödem unterschieden werden.
Behandlungsmöglichkeiten bei einem diagnostizierten Lipödem
Gezieltes Training und eine gesunde Ernährung tragen zwar zum Wohlbefinden der Betroffenen bei, können aber das Lipödem nicht bekämpfen. Lediglich der Fortschritt kann durch diese Maßnahmen verlangsamt werden. Zur konventionellen Behandlung gehört Kompressionskleidung und medizinisch geleitete Bewegung.
Um schnellere Resultate zu sehen, ist eine Fettabsaugung möglich. Sie entfernt das krankhaft vermehrte Fettgewebe dauerhaft und gibt den Betroffenen damit auch ein Stück ihres Selbstvertrauens wieder. Die Krankheit kann dadurch zwar nicht geheilt werden, doch die psychischen Folgen lassen sich in vielen Fällen lindern.
Woher kommt das Lipödem?
Man ist sich in der Medizin bis heute uneinig, woher Lipödeme kommen. Es ist bekannt, dass sich das Störungsbild oft über Generationen weitergibt, wobei in der Familie nur die Frauen betroffen sind. Mangelnde Disziplin und falsche Ernährung stecken nicht dahinter. Viele Betroffene leben aktiv und gesund, trotzdem kommt es zur krankhaften Fettvermehrung. Bei übergewichtigen Patientinnen ist das Krankheitsbild zwar manchmal stärker ausgeprägt, die Ursache ist das Übergewicht aber nicht. Leider fehlt hier die gesellschaftliche Awareness noch total und betroffene Frauen werden oft stigmatisiert, sogar von ihren Behandlern.